Reedle Shot & Spikula erklärt: Wie Mikrospikula wirken – und wie du sie anwendest, ohne deine Haut zu reizen
Winzige Nadeln aus Süsswasserschwämmen, die Wirkstoffe tiefer in die Haut bringen sollen. Was dahintersteckt, warum es kribbelt, wie du richtig einsteigst und für wen der Trend nichts ist.
In diesem Artikel erfährst du:
- Was Spikula sind und woher sie kommen
- Warum sie kribbeln – und was das über die Wirkung sagt
- Wie du sicher einsteigst und wie oft du sie anwendest
- Für wen Spikula nicht geeignet sind
Was Spikula überhaupt sind
Spikula sind mikroskopisch kleine, nadelförmige Strukturen aus Süsswasserschwämmen. Der Schwamm bildet sie aus Kieselsäure, um sich zu stabilisieren und zu schützen. Für die Hautpflege werden sie gereinigt, aufbereitet und in Seren, Cremes und Masken eingearbeitet.
Auf der Haut wirken sie wie unzählige winzige Kanäle: Sie schaffen mikroskopische Öffnungen in der obersten Hornschicht, durch die Wirkstoffe besser eindringen können. Der Gedanke dahinter ähnelt dem Microneedling beim Kosmetikstudio – nur viel oberflächlicher, ohne Gerät und in einer Intensität, die für zu Hause gedacht ist.
Populär wurde die Technologie durch die Reedle-Shot-Serie von VT Cosmetics, inzwischen arbeiten mehrere koreanische Marken damit. Der Name „Reedle“ ist ein Kunstwort aus „reed“ und „needle“ – Schilf und Nadel.
Warum es kribbelt
Das leichte Prickeln nach dem Auftragen ist der Effekt, an dem man Spikula erkennt. Es entsteht mechanisch durch die Nadelstrukturen auf der Haut, nicht durch Säuren oder Alkohol.
Wichtig zu verstehen: Stärkeres Kribbeln bedeutet nicht bessere Wirkung. Es bedeutet nur, dass mehr Spikula im Produkt sind oder deine Haut empfindlicher reagiert. Wenn es brennt statt kribbelt, wenn die Haut sich heiss anfühlt oder rötet und das nach ein paar Minuten nicht nachlässt, ist die Konzentration zu hoch für dich.
Die Zahlen im Produktnamen – 100, 300, 700 – stehen bei VT für die Spikula-Konzentration. Fang immer mit der niedrigsten an, auch wenn die höhere spannender klingt.
Was Spikula können – und was nicht
Sie sind kein eigener Wirkstoff, sondern ein Transportmittel. Ein Spikula-Produkt wirkt über das, was zusätzlich drin ist: Peptide, PDRN, Cica, Hyaluronsäure, Retinal, Vitamin C. Die Spikula sorgen dafür, dass davon mehr ankommt.
Realistisch sind: eine glättere Hautoberfläche, feinere Textur, weniger sichtbare Poren und ein besserer Effekt der übrigen Pflege. Nicht realistisch: das Entfernen von Narben, tiefen Falten oder das Ersetzen einer professionellen Microneedling-Behandlung. Spikula arbeiten in der obersten Hautschicht, nicht in der Tiefe.
So steigst du richtig ein
Starte mit der niedrigsten Konzentration und zweimal pro Woche, abends. Trage das Produkt auf die trockene Haut nach der Reinigung auf – nicht auf feuchte Haut, weil sich die Spikula sonst ungleichmässig verteilen.
Nicht einmassieren. Sanft eindrücken, kurz einwirken lassen, dann eine beruhigende Feuchtigkeitscreme darüber. Augenpartie, Lippen und Nasenflügel aussparen.
In derselben Anwendung keine Säuren, kein Retinol und kein hochdosiertes Vitamin C. Die Haut ist danach durchlässiger, und genau das macht sonst harmlose Wirkstoffe plötzlich reizend. Am nächsten Morgen ist Sonnenschutz Pflicht.
Merielyns Notiz
Reedle Shot ist das Produkt, bei dem ich am meisten nachgefragt bekomme – und bei dem ich am häufigsten zur Vorsicht rate. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil viele mit der höchsten Konzentration einsteigen, weil sie in Videos am eindrucksvollsten aussieht.
Mein eigener Fehler am Anfang: Ich habe es einmassiert wie ein normales Serum. Danach war meine Haut rot und ich dachte, ich vertrage es nicht. Es lag nur an der Technik – sanft eindrücken statt reiben macht den ganzen Unterschied.
Was ich heute empfehle: acht Wochen lang zweimal pro Woche, mit der 100er. Wenn die Haut ruhig bleibt, kannst du steigern. Und leg die Anwendung auf einen Abend, an dem du am nächsten Tag nichts Wichtiges vorhast – einfach, damit du entspannt bleibst.
Für wen Spikula nicht geeignet sind
Bei aktiver Rosazea, Ekzemen, offenen oder entzündeten Stellen und frisch gesonnter Haut gehören Spikula nicht ins Gesicht. Auch bei einer gestörten Hautbarriere – also wenn die Haut spannt, brennt und auf alles reagiert – solltest du erst beruhigen und die Barriere aufbauen.
Sehr empfindliche Haut kann Spikula vertragen, braucht aber die niedrigste Konzentration, längere Abstände und eine Formulierung mit beruhigenden Zusatzwirkstoffen wie Cica oder Panthenol.
Häufige Fragen zu Spikula
Ist Reedle Shot dasselbe wie Microneedling?
Nein. Microneedling mit einem Gerät erzeugt gezielte Verletzungen in tieferen Hautschichten. Spikula arbeiten nur in der Hornschicht. Der Mechanismus ähnelt sich, die Tiefe und das Risiko nicht.
Wie oft darf ich es anwenden?
Zu Beginn zweimal pro Woche. Nach mehreren Wochen ohne Reizung kannst du auf jeden zweiten Tag gehen. Täglich ist bei den höheren Konzentrationen für die meisten zu viel.
Kann ich es mit Retinol kombinieren?
Nicht in derselben Anwendung. An verschiedenen Abenden ja – also zum Beispiel Spikula am Montag und Donnerstag, Retinol an anderen Tagen.
Wie lange dauert es, bis man etwas sieht?
Die glattere Oberfläche spürst du oft nach der ersten Anwendung. Für Poren und Textur rechne mit sechs bis acht Wochen regelmässiger Anwendung.
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